Analyse

Defence-Boom Deutschland: Warum Rüstungsunternehmen jetzt ihren Recruiting-Ansatz überdenken müssen

108 Milliarden Euro Verteidigungshaushalt, volle Auftragsbücher – aber leere Bewerberpools. Warum der Fachkräftemangel die größte Bedrohung für Deutschlands Aufrüstung ist und wie spezialisierte Recruiting-Partner den Engpass lösen.

February 17, 2026
7
 Minuten
Deniz L. Tulay
TEKOM Design Wellen - Moderne Personalberatung München Background
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108 Milliarden Euro – und ein Markt, der schneller wächst als die Personaldecke

Wer aktuell mit Entscheidern in der deutschen Verteidigungsindustrie spricht, hört überall dasselbe: Die Auftragslage ist historisch gut – aber die Fähigkeit, diese Aufträge auch abzuarbeiten, stößt an ihre Grenzen. Nicht wegen fehlender Maschinen oder Produktionslinien, sondern wegen fehlender Menschen.

Der Verteidigungshaushalt 2026 liegt bei über 108 Milliarden Euro – ein Plus von mehr als 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Davon fließen allein 47,88 Milliarden in militärische Beschaffung. Die Bundeswehr plant 10.000 neue militärische und 2.000 zivile Stellen. Das sind keine Absichtserklärungen, das sind Haushaltsposten.

Und trotzdem stehen viele Unternehmen vor dem gleichen Problem: offene Stellen, die Monate unbesetzt bleiben, weil der Markt schlicht leergefegt ist.

Ein Wachstumspfad, der keine Pause kennt

Was diesen Boom von früheren Zyklen unterscheidet: Er ist nicht konjunkturgetrieben, sondern strukturell. Die Eckwerte der Bundesregierung sprechen eine klare Sprache – 93,35 Milliarden Euro für 2027, 136,48 Milliarden für 2028, 152,83 Milliarden für 2029. Deutschland gibt mittlerweile 2,5 Prozent seines BIP für Verteidigung aus, deutlich über dem NATO-Ziel.

Parallel dazu hat die EU angekündigt, 800 Milliarden Euro für die europäische Verteidigungsfähigkeit zu mobilisieren. Für die Industrie bedeutet das eine Planungssicherheit, die es in dieser Form seit der Wiedervereinigung nicht gegeben hat – bei gleichzeitig maximalem Lieferdruck.

Die Kapazitätskrise hinter den Rekordzahlen

Rheinmetall sitzt auf einem Auftragsbestand von fast 55 Milliarden Euro. HENSOLDT wächst rasant in Sensorik und elektronischer Kampfführung. Airbus Defence treibt FCAS und Eurodrone voran. Dazu kommen Dutzende spezialisierte Mittelständler – Diehl Defence, ESG, MBDA, Rohde & Schwarz – die alle gleichzeitig skalieren müssen.

Die Realität ist: Praktisch jedes verfügbare Personal- und Produktionspotenzial in der Branche ist bereits ausgeschöpft. Unternehmen berichten, dass sie kurzfristige Aufträge ablehnen müssen, weil die bestehenden Projekte sonst gefährdet wären. Erfahrene Panzerschweißer, Entwicklungsingenieure, Softwareentwickler – alle ausgelastet.

Der Engpass ist nicht finanziell. Er ist personell.

Ein Recruiting-Umfeld, das mit nichts vergleichbar ist

Was viele unterschätzen: Defence-Recruiting folgt völlig anderen Regeln als die zivile Personalsuche. Es geht nicht nur darum, die richtige Qualifikation zu finden – es geht darum, Kandidaten zu identifizieren, die zusätzlich eine Sicherheitsüberprüfung bestehen, Exportkontrollanforderungen erfüllen und im Zweifel eine NATO-Staatsbürgerschaft mitbringen.

Allein die Sicherheitsüberprüfung kann laut Branchenverband BDSV bis zu einem Jahr dauern. Das ist ein bürokratischer Flaschenhals, der den ohnehin knappen Bewerberpool weiter verengt – und ein Risiko, das in keiner anderen Branche in dieser Form existiert. Selbst hochqualifizierte Kandidaten können daran scheitern.

Wer in diesem Umfeld mit Standard-Recruiting-Methoden arbeitet, verliert Zeit und Geld.

Der Automotive-Transfer: Potenzial ja, Automatismus nein

Die schwächelnde Automobilindustrie wird gerne als Lösung ins Feld geführt. Und ja – Ingenieure, Produktionsleiter und Qualitätsmanager von BMW, Continental oder ZF bringen wertvolles Know-how mit. Systemintegration, Mechatronik, Projektsteuerung nach Automotive-SPICE – das sind übertragbare Kompetenzen.

Aber der Transfer funktioniert nicht von selbst. Militärspezifische Normen wie NATO-STANAGs oder MIL-STD existieren im zivilen Bereich nicht. Sicherheitskritische Entwicklungsprozesse nach DO-178C oder DO-254 erfordern gezieltes Onboarding. Und nicht jeder Automotive-Ingenieur erfüllt die Voraussetzungen für eine Sicherheitsüberprüfung.

Die Unternehmen, die diesen Transfer erfolgreich gestalten, haben eines gemeinsam: Sie arbeiten mit Partnern zusammen, die beide Welten kennen – die Herkunftsbranche und die Zielbranche.

Warum die üblichen Wege nicht mehr funktionieren

Stellenanzeigen auf den großen Jobbörsen erreichen im Defence-Bereich die falsche Zielgruppe. Die Spezialisten, die Unternehmen suchen – EW-Ingenieure, Avionik-Entwickler, Waffensystemintegratoren – sind in der Regel nicht aktiv auf dem Markt. Sie müssen identifiziert und direkt angesprochen werden, über Netzwerke, die Jahre brauchen, um sie aufzubauen.

Vier Faktoren machen Defence-Recruiting besonders anspruchsvoll. Der erste ist die eingeschränkte Zielgruppe: NATO-Staatsbürgerschaft, Sicherheitsüberprüfung und technische Spezialisierung reduzieren den verfügbaren Pool auf einen Bruchteil des Gesamtmarktes. Der zweite ist die Diskretion: Viele Positionen und Projekte unterliegen Geheimhaltung – offene Ausschreibungen sind teilweise gar nicht möglich. Der dritte ist die Konkurrenzdichte: Rheinmetall, HENSOLDT, Airbus Defence, KNDS und Dutzende Mittelständler kämpfen um dieselben wenigen Köpfe. Und der vierte ist die Geschwindigkeit: Wer Monate braucht, um eine Schlüsselposition zu besetzen, riskiert nicht nur Projektverzögerungen – er riskiert Aufträge.

Was jetzt zu tun ist

Dieser Boom ist kein Strohfeuer. Die Haushaltsentwicklung bis 2029 zeigt einen exponentiellen Wachstumspfad. Wer jetzt nicht in seine Recruiting-Fähigkeiten investiert, wird in zwei Jahren vor einem noch größeren Problem stehen – mit noch mehr offenen Stellen und noch weniger verfügbaren Kandidaten.

Drei Stellhebel sind aus unserer Erfahrung entscheidend:

Erstens: Spezialisierung im Recruiting. Generalisten-Personalberater scheitern an den Besonderheiten der Branche. Wer Exportkontrolle, NATO-Anforderungen und die technischen Profile versteht, verkürzt die Time-to-Hire um Monate, nicht um Tage.

Zweitens: Proaktiver Talent-Pool-Aufbau. Die beste Zeit, einen Kandidaten zu finden, ist nicht dann, wenn die Stelle vakant ist. Kontinuierlicher Aufbau von Netzwerken – insbesondere bei Automotive-Fachkräften mit Transferpotenzial – schafft einen Vorsprung, der sich in konkreten Besetzungen auszahlt.

Drittens: Onboarding als strategischer Faktor. Unternehmen, die Quereinsteigern einen strukturierten Einstieg in militärspezifische Standards bieten, gewinnen nicht nur schneller Personal – sie werden als Arbeitgeber deutlich attraktiver.

Über TEKOM

TEKOM Industrielle Systemtechnik GmbH begleitet seit über 35 Jahren die Personalbesetzung in technischen Hochleistungsbranchen – mit einem klaren Schwerpunkt auf Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und sicherheitsrelevante Industrien.

Unser Zugang zum Markt unterscheidet sich von dem generalistischer Personalberatungen: Wir bewegen uns täglich in einem Umfeld, in dem Exportkontrolle, Sicherheitsüberprüfungen und NATO-Anforderungen keine Theorie sind, sondern operative Realität. Unser Netzwerk umfasst Avionics Engineers, EW-Spezialisten, DO-178C-Entwickler, EWIS-Ingenieure und Systemintegratoren – Fachkräfte, die auf keiner Jobbörse sichtbar sind.

Wenn Sie Schlüsselpositionen im Defence-Bereich besetzen müssen, die mit konventionellen Mitteln nicht zu füllen sind, sollten wir sprechen – bevor es Ihr Wettbewerber tut.

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